Open-Air-Ausstellung: Ukrainisches DP-Camp in der Somme-Kaserne

Seit einigen Wochen weisen Ausstellungsbanner an der Sommestraße auf ein wenig bekanntes Kapitel Augsburger Stadtgeschichte hin, nämlich die Nutzung der Somme-Kaserne als Camp für „Displaced Persons“ aus der Ukraine. Die meisten von ihnen stammten aus der bis 1939 polnischen Westukraine, die zuerst im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts von der Sowjetunion, 1941 dann von den Deutschen besetzt wurde, bevor sie ab 1944 wieder von der Sowjetunion zurückerobert wurde.

Dies war auch der Grund, weshalb die „Westukrainer“ nicht mehr zurück in die Heimat wollten, vielmehr erhofften sie sich eine Auswanderung nach Übersee, insbesondere in die USA oder nach Kanada, wo es schon ukrainische Exil-Gemeinden gab.

Doch bis es so weit war, mussten erst einmal in Deutschland bleiben, viele in „DP-Camps“, wo sich kleine ukrainische „Republiken“ bildeten.

In den DP-Camps herrschte Aufbruchstimmung: Es gab viele Hochzeiten und dementsprechend auch viele Geburten. Allein im Jahr 1946 wurden so im Augsburger Camp 74 Kinder geboren. Ihre Eltern waren entweder während der deutschen Besatzungszeit als „Zwangsarbeiter/-innnen“ nach Deutschland verschleppt worden, oder sie waren vor der vorrückrückenden Roten Armee geflohen.

Das Schicksal von 13 dieser Kinder und ihrer Familien dokumentiert die Ausstellung von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ anhand von Dokumenten, die sich in den ArolsenArchives, dem früheren Internationalen Suchdienst ITS befinden: In erster Linie DP-Karten mit persönlichen Angaben, aber auch Fragebögen über die Stationen auf dem Weg von der Ukraine nach Deutschland, schließlich Passagierlisten der Auswandererschiffe. Doch nicht für alle erfüllte sich die Hoffnung auf eine bessere Hoffnung in Übersee.

pdf-Dokumentation der Ausstellung

Dokumentation "Geboren 1946"